Astronomie Wien

Der Erntevollmond

Harvest Moon - Der Erntevollmond

Um Herbstanfang können wir ein astronomisches Phänomen beobachten, dessen Name sehr bekannt, dessen Natur jedoch weitgehend in Vergessenheit geraden ist: Den Erntevollmond.

 

 

 

 

Um Herbstanfang können wir ein astronomisches Phänomen beobachten, dessen Name sehr bekannt, dessen Natur jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten ist: Den Erntevollmond.

 

Der Mondlauf im Zuge der Jahreszeiten wird von der Tatsache geprägt, dass der Vollmond, der ja immer der Sonne (fast genau) gegenübersteht, das umgekehrte Verhalten wie die Sonne im Jahreslauf zeigt: Im Sommer zieht er niedrig über den Himmel, im Winter zieht er hoch über den Himmel. Ähnlich verhält es sich mit den zunehmenden und abnehmenden Phasen. Der zunehmende Halbmond zieht jene Bahn über den Himmel wie die Sonne in der darauffolgenden Jahreszeit - er ist also im Frühling am besten zu beobachten. Der abnehmende Halbmond zieht jene Bahn über den Himmel wie die Sonne in der vorangegangenen Jahreszeit - er ist also im Herbst am besten zu sehen.

Im Herbst liegen die Mondphasen wie folgt: Der Neumond (er ist unbeobachtbar) durchläuft die gleiche Tagesbahn wie die Sonne, die Bahn der Tag-und-Nacht-Gleiche. Nach dem Neumond wandert der Mond nach Süden. Das Erste Viertel durchläuft der Mond in der Tagesbahn der Sonne im Winter, also tief im Süden. Die zunehmenden Mondphasen vor dem Halbmond sind in unseren Breiten im Herbst somit ungünstig zu beobachten.

Nach dem Ersten Viertel wandert der Mond wieder nach Norden, am raschesten um den Vollmond, der wiederum die Bahn der Sonne im Frühling, also die der Tag-und-Nacht-Gleiche, durchläuft. Nach dem Vollmond steigt der Mond weiter bis zum Letzten Viertel, das die höchste Tagesbahn durchläuft - jene der Sonne im Sommer.

Obige Grafik verdeutlicht den Mondlauf zu Herbstbeginn. Sie zeigt, in welcher Höhe über dem Horizont und um welche Uhrzeit MEZ der Mond im Süden steht. Auf das Bild klicken zum Vergrößern.

Beispiel: Erstes Viertel, 18 Uhr, tief; Vollmond, Mitternacht, mittelhoch; letztes Viertel, 6 Uhr, hoch. Für alle, die es besonders genau wissen möchten: Der Mond kann, da seine Bahn gegen die Ekliptik um 5,1° geneigt ist, noch um diesen Betrag tiefer oder höher über den Himmel laufen als die Sonne!


Was bedeutet dieser Lauf für die Sichtbarkeit des Mondes am Abendhimmel?

Zunächst einmal bewirkt der steigende Mond um den Vollmond eine atypische Entwicklung der Aufgangszeit unseres Trabanten.

Wegen des Umlaufs des Mondes um die Erde erfolgt der Mondaufgang im Jahresschnitt von Tag zu Tag um ca. 50 Minuten später. Der steigende Mond wirkt dem aber entgegen. Je höher die Breite (Deklination) eines Gestirns, desto länger ist seine Tagesbahn. Somit verlagert sich der Mondaufgang um den Vollmond von Tag zu Tag nur um wenige Minuten. Die Änderung macht in einer Woche nur etwa eine Stunde aus!

Das Phänomen des im Spätsommer und Frühherbst so beständig aufgehenden Mondes hat den Namen "Erntevollmond" ("Harvest Moon") erhalten. Der Name erinnert daran, dass das Mondlicht ausgenützt wurde, um die Ernte rechtzeitig vor Einsetzen der Herbststürme auch noch nach Sonnenuntergang einzubringen. Besser als die Grafik kann eine Simulation diesen Umstand verdeutlichen.

Wir verwenden in den folgenden Abbildungen die Sichtbarkeit im September 2010 als zeitloses Beispiel auch für 2011 und die folgenden Jahre. Wir zeigen den Himmelsanblick jeweils 20 Minuten nach Mondaufgang und der Mond ist gegenüber dem tatsächlichen Anblick etwa fünfmal vergrößert. Klicken Sie aufdas jeweilige Bild zum Vergrößern.


Fünf Tage vor Vommond, Mondaufgang noch bei Tag


Vier Tage vor Vollmond, Mondaufgang 21 Minuten später


Drei Tage vor Vollmond, Mondaufgang 20 Minuten später


Zwei Tage vor Vollmond, Mondaufgang 18 Minuten später


Ein Tag vor Vollmond, Mondaufgang 18 Minuten später


Vollmond; Mondaufgang 17 Minuten später.


Ein Tag nach Vollmond, Mondaufgang 19 Minuten später


Zwei Tage nach Vollmond, Mondaufgang 21 Minuten später


Drei Tage nach Vollmond, Mondaufgang 26 Minuten später
 


Vier Tage nach Vollmond, Mondaufgang 32 Minuten später 

 
Fünf Tage nach Vollmond, Mondaufgang 41 Minuten später

Im Zeitraum dieser 10 Tage verschiebt sich der Mondaufgang um vier anstatt der im Jahresdurchschnitt üblichen acht Stunden. In den drei Tagen um den Vollmond verschiebt sich der Mondaufgang um weniger als eine statt der durchschnittlichen zweieinhalb Stunden. Man beachte, wie sich der Aufgangspunkt des Mondes von Südosten nach Nordosten verschiebt - die direkte Folge der steigenden Deklination! Wir bemerken auch, wie sich der Aufgangszeitpunkt des Mondes vom hellen Tag über alle Dämmerungsphasen bis in die dunkle Nacht verlagert - der Erntevollmond wurde als Lichtquelle genutzt, um nach Sonnenuntergang noch die Ernte einbringen zu können.

Eine weitere Folge des Mondlaufs im Herbst ist, dass abnehmende Mondphasen schon am Abendhimmel beobachtet werden können. Im Letzten Viertel geht der Mond schon gegen 22 Uhr MEZ (23 Uhr MESZ) auf und nach Mitternacht gibt es die besten Blicke auf die abnehmende Mondsichel im ganzen Jahr.

__________________________________________________________________

Die Seite "aktuelle Himmelsereignisse" ist eine Kooperation von  WAA und Astronomie Wien.

Suche
Wien aktuell | 04.02 | 23:24
alle Zeiten MEZ
07:20Sonnenaufg.
16:58Sonnenunterg.
13:29Mondaufg.
04:41Mondunterg.
Mondalter: 11 Tage